Regina Hadraba

Texte über Regina Hadraba

Mag. Michaela Seif

Regina Hadraba - mappae mundi
Mappa mundi war der im Mittelalter gängige Begriff für die Landkarte, für das ausgebreitete weiße Tuch (mappa) des gesamten Kosmos (mundus). Eine beachtliche Zahl überlieferter großformatiger, aus Abbildungen (pictura) und erklärendem Text (scriptura) bestehender Karten belegen die Vorstellung der Menschen von einem sehr großen, jedoch begrenzten Kosmos mit der Erde im Zentrum eines Systems durchsichtiger konzentrischer Sphären, die man erst emporsteigen musste, um zum Licht, dem Symbol des Geistes zu gelangen, wie dies von Dante Alighieri in seiner 1321 vollendeten Divina commedia beschrieben wurde, als sich der Dichter mit seiner Beatrice aus der irdischen Welt hinauf ins himmlische Paradies begab.
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Dr. Theresia Hauenfels

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)
Regina Hadraba zieht Linien. Über Farbflächen. Auf transparenten Platten. Durch selbst gebundene Buchobjekte. Das Farbspektrum ist reduziert. Die Linie schwarz, manchmal rot, wie bei der Rubrizierung in der alten Buchkunst. Rubrum – rot – war die Farbe der Initialen, der Überschriften, um den Text zu organisieren, gesetzt vom Rubrikator,der das, was seine Kollegen schrieben, zugleich kontrollierte und korrigierte. (aus www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digi/glossar/p-r.html#P abgerufen am 2.11. 2010
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Mag. Sonja Traar

.... Wer sind die zwei Ritter, die in den Arbeiten Hadrabas miteinander ringen? Es sind zwei Heroinnen der Kunst: die Zeichnung und die Malerei. Klassisch, meint man, doch in den Arbeiten der Künstlerin hat sich das Auseinandersetzen, Argumentieren, Aufpludern, gegenseitige Vergraulenwollen beider Disziplinen zu einem schöpferischen, aus dem Kontext herausgelösten Arbeitsprozess entwickelt. Die Gegenwart von Literatur – Hand in Hand mit einem künstlerischen Fluss, der, von Texten gespeist, anschwillt und zuletzt mit Bildern übergeht – erlebt der Betrachter als geistige und mit positiver Energie geladene Atmosphäre, in der das Gelesene nüchtern-sachlich und zugleich fantasievoll schwingt. Dieser geistige Raum ist der Turnierplatz für den Disput von Malerei und Zeichnung. Beide Medien tauchen in den neuen Werken kraftvoll auf, ohne aufeinander liegende Ebenen zu bilden. Sie sind aneinander geknotet. Schon beim Auftragen der roten, orange und gelben Farbe mit Schwämmen und Rollen denkt die Künstlerin die späteren Möglichkeiten der Zeichnung mit. Der Kampf geht um die nackte Präsenz von Farbe und Linie, die für sich auch noch beanspruchen, ihrer jeweiligen Charaktere uneingeschränkt beizubehalten. Herunter rinnende Farbtropfen, Geronnenes, samtige Fransen der schwarzen Lienen tauchen auf und wollen keine Effekte erzielen, die ihnen als solches innewohnen. ...
(Auszug), September 2005

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Mag. Marcus Maida
Strenge Formen und Gekritzel


... Die Darstellungen bewegen sich zwischen klarer konzeptioneller Vorgabe mitsamt all den Geboten und Verboten, die das künstlerische Bewusstsein Hadrabas macht, und expressiven Gesten. Das Werk zeichnet sich bei aller Klarheit und bei allen Geheimnissen, die dazwischen liegen, durch einen Minimalismus aus, der einfach ahnt, wann ein paar Strichgebungen mehr den Bildrahmen sprengen könnten.
Die im nunmehr positiven Sinne als "Gekritzel" zu bezeichnenden Gesten sind intellektuelle Zeichen, die als bewusste und gleichsam sinnliche Marker dienen – es ist keine kühle Form, die uns hier ansieht, keine konzeptionelle Formstrenge, aber erst recht keine Beliebigkeit. Rauschhaftes, Konzentriertes, Erkenntnisgewinn oder –verlust – demnicht zu trauenden konkret Sagbaren werden bleibend-flüchtige Abstraktionen entgegengestellt. Es wird keine Form aufgezwungen, es wird keine Lesart oder Deutung versprochen oder versucht. Die Reduktion bewirkt Konzentration, doch das Gefühl geht immer mit auf diesen auch bildlich wortkargen, aber sehr entschiedenen Landschaftsvermessungen. Das Figurative drängt sich vor und wird im offenen Dialog reflektiert ...
Ratingen 2001



Mag. Wolfgang Posautz

... Es stellt sich noch die Frage nach einer etwaigen Struktur in ihren Bildern. Es ist keine auffallende, schon gar keine
geometrische Struktur zu finden, sondern diese ergibt sich eher zufällig durch die Technik, die Regina Hadraba anwendet.
Sie verwendet kräftiges handgeschöpftes Papier. Farbpigmente und grobkörniger Sand werden mit Leinöl vermischt. Die Großformate werden wellig und wirken dadurch visuell haptisch. Die Grafik kommt in Form einer Monotypie hinzu. Ein durch Ölfarbe nasser Stoff wird über das präparierte Papier gelegt und mit einem harten spitzen Gegenstand  wird die Zeichnung auf die Bildoberfläche "gedrückt". Durch den leichten Druck des Darüberlegens des Stoffes auf die Bildoberfläche werden zusätzlich die erhöhten Teile dieser haptischen Oberfläche leicht schwarz gefärbt. Ein Effekt, der die monochrome Farbgebung teilweise relativiert und die Spannung in Regina Hadrabas Bilder erhöht.
Anlässlich der Ausstellung in der Galerie Slama im Dezember 1994



Mag. Maria Christine Holter

... Mit traumwandlerischer Sicherheit gleitet der Stift über das ölgeschwärzte Tuch und hinterlässt auf der Papiertüte Spuren allgemein menschlicher und künstlerischer Natur. Erst das Abheben des Farbträgers erlaubt der Künstlerin kontrolliertere Eingriffe in die so entstehende Monotypie. Verborgenes aufdecken, die automatistische Aufzeichnung ins Bewusstsein dringen lassen, Verwunschenes der Erlösung zuführen ...
Ironie, Spontaneität und hintergründiger Witz kennzeichnen auch die beiden an konkrete Märchen angelehnte Künstlerbücher Hadrabas. Ich möchte Ihnen, sehr geschätztes Publikum, jedoch nicht durch weitere Ausführungen die kindliche Freude nehmen, beim Durchblättern der Bücher und beim phantasiebegabten Schauen der Bilder beider Künstlerinnen potentielle Prinzen selbst aus Fröschen herauszuküssen, gläserne Splitter aus Herzen und Augen zu weinen, und Rapunzels blauen Vogel in die Freiheit zu entlassen ...
Anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Arcade im September 1996



Dr. Peter Zawrel

So sehr die Kunst im allgemeinen heute Aufsehen zu erregen vermag wie selten zuvor, so wenig findet die Zeichnung im besonderen jene Beachtung, die sie immer schon – als verlässlicher Seismograph künstlerischer Aufrichtigkeit – verdient hat; ist sie doch der unmittelbare sinnliche Reflex einer individuellen Befindlichkeit, in dem Kalkül und Temperament einander wie sonst nie aufstacheln - im Idealfall selbstverständlich, der selbstgefällige Allüren und akademische Banalitäten gleichermaßen ausschließt. Regina Hadraba hat sich von Beginn ihres künstlerischen Schaffens an - und wohl nicht zuletzt unter dem Einfluss ihres Lehrers Ernst Skricka - mit einem in ihrer Generation außergewöhnlichen Eifer und mit einer atemberaubenden Leidenschaftlichkeit der Zeichnung hingegeben ...
Damit ist Regina Hadraba drauf und dran, zu jener Generation weniger bedeutender österreichischer Zeichner aufzuschließen, die unmittelbar am Konflikt von neo-expressiver (der 80er) und konzeptioneller Kunst (der 70er Jahre) groß geworden ist. Im Kontext der neo-konzeptionellen Kunst der 90er Jahre wird der unverwechselbare Charakter der Handzeichnung von ihr mitbestimmt werden.
Aus: "Abends singen die Matrosen", Katalogtext



Dr. Barbara Wally

Regina Hadraba arbeitet hauptsächlich auf der Fläche, wenn auch mit unkonventionellen Mitteln, Formaten und Bildgründen.
Bei einem Arbeitsaufenthalt in Salzburg hat sie für sich den "tondo" die Rundform, entdeckt. Nach Versuchen auf der Fläche  hat sie nun für diesen Raum Holzobjekte in Rundform geschaffen, deren Oberfläche mehrfach bearbeitet ist. Zunächst wurden die Scheiben beidseitig halbrund eingefräst und zwar mit je einer Geraden, von der im rechten Winkel kürzere Kerben abzweigen. Die Holzflächen sind rot eingefärbt, mit schwarzen Ölkreiden und Bleistiften dicht überarbeitet und dann eingeölt, sodass eine intensiv und geheimnisvoll-düster wirkende Schicht entstand, die sich auch gegen die intensive Struktur der Ziegelwände behaupten kann. Regina Hadraba hat die "tondi" sowohl als Bilder an der Wand wie als freistehende Objekte im Raum installiert, wo sie dynamische Sprengkraft entfalten.
Aus Katalogvorwort "Cellar", 1992